5 Fragen an Pinaks – der Proteinsnack aus Insekten

In einer neuen Folge von “5 Fragen an…” stellen wir heute das Food-Startup Pinaks aus Berlin vor. Es stellt proteinhaltige und gluteinfreie Cracker aus nachhaltigem Insektenmehl her. Wie es dazu gekommen ist, verraten uns die Gründer Camilo Wilisch und Sebastian Kreßner im Interview.

Was hat euch zum Gründen von Pinaks angespornt?

Unsere Beweggründe, die uns zur Gründung angespornt haben, waren einerseits unterschiedlich, aber doch auf der anderen Seite sehr ähnlich. Sebastian wusste bereits seit seiner Kindheit, dass er Gründer sein wollte. Er wollte etwas eigenes kreativ und langfristig erfolgreich aufbauen. Camilo hingegen war sich unsicher, ob er überhaupt gründen wollte, denn in seiner Familie hat er nicht nur die positiven Seiten der Selbständigkeit hautnah erlebt.

Doch das Thema Insekten als Nahrungsmittel hat uns beide zusammengebracht. Camilo brennt für das Thema nachhaltigen Ernährung und war bereit das Risiko einer Gründung einzugehen. Sebastian als Sportler wollte eine nachhaltige Protein-Alternative auf seinem Speiseplan haben. Die Reise von Pinaks begann 2018 bei einem Kochabend rund um Insekten. Sowohl Sebastian, als Camilo hatten vor dem Kochabend unabhängig voneinander Prototypen entwickelt, aber der Abend machte uns klar: Snacks, bzw. Cracker sollen es werden. Zwei Jahre später, nach einem mühsamen Akquise-Prozess, in welchem mehr als 300 Großbäckereien und Snackproduzenten kontaktiert wurden, standen wir in einer Produktionsstätte des Schweizer Getreideerzeugnis-Produzenten CORNU S.A. um unsere proteinhaltigen, glutenfreien Cracker aus Grillenmehl zu produzieren.

Die Pinaks-Gründer Camilo Wilisch und Sebastian Kreßner
Die Pinaks-Gründer Camilo Wilisch und Sebastian Kreßner

Was macht euer Produkt besonders?

Noch ist der Gedanke Insekten zu essen für viele Menschen hierzulande ungewöhnlich. Jedoch sind unsere Pinaks das perfekte Einstiegsprodukt in die Thematik Insektenessen. Unsere Cracker sind die perfekte Begleitung für den Tag, sie sind schmackhaft, sie haben eine sehr knusprige Textur und sind in beliebten Geschmacksrichtungen wie Rosmarin und Zwiebel/Kräuter erhältlich. Sie sind eine Quelle an Proteine, ballaststoffreich, glutenfrei und liefern genug Energie.

Egal ob im Büro oder unterwegs, unsere Cracker können bei jeder Situation gesnackt werden oder sogar mit einem Salat und einem Dip eine Mahlzeit ersetzen. Wir sind fest davon überzeugt, dass unsere Cracker mit dem Fleischkonsum konkurrieren können. Mit 100 Gramm unserer Cracker können bis zu 50 % des täglichen Proteinbedarfs gedeckt werden und somit einen positiven Beitrag zum Klimaschutz leisten. Mit unseren Pinaks wollen wir das Insektenessen aus der Nische holen und den Food-Gap zwischen Fleischkonsum und Veganismus schließen

Was waren oder sind die größten Hürden bei eurer Gründung von Pinaks?

Die Findung eines geeigneten Produktionsstandorts war eine sehr große Herausforderung. Die Verarbeitung von Insekten ist in der Lebensmittelindustrie noch nicht weit verbreitet. Wir kontaktierten alle deutschen Großbäckereien und auch viele Betriebe in ganz Europa, bis wir den Produzenten fanden, der unsere Cracker nach unseren Bedingungen herstellen konnte und dies auch wollte. Die Produktentwicklung war und ist ein langwieriger, sowie aufwendiger Prozess.

Die Rezepte unserer Cracker aus glutenfreien Haferflocken, Insektenmehl, Saaten und Gewürze wurden kundennah entwickelt. Die Kreationen wurden nach den Verkostungen basierend auf dem Feedback im Bezug auf den Geschmack oder die Konsistenz, wann immer möglich, angepasst. Jede Gelegenheit, die sich uns bietet für diverse Verkostungen mit unterschiedlichen Zielgruppen, nutzen wir. Vertreten waren wir bei unterschiedlichsten Events, von der Grüne Woche, ganz zu Beginn des Projekts, bis Online-Veranstaltungen aufgrund von Corona, und konnten dort immer wieder Informationen für die Weiterentwicklung unserer Produkte sammeln.

Darüber hinaus stellte sich die Frage nach einer langfristig-soliden Finanzierung unserer Firma. Zu Beginn betrieben wir Bootstrapping und verfolgten den Lean-Startup-Ansatz. Anfang 2020 wurden wir mit dem Berliner Startup-Stipendium ausgezeichnet und konnten uns somit voll auf die Gründung unserer GmbH und den Ausbau unserer Brand Pinaks konzentrieren. Unsere größte Herausforderung ist jedoch weiterhin, mittel- und langfristig stabile Umsätze zu erwirtschaften. Mit unserer Crowdfunding-Kampagne Ende 2020 legten wir einen Grundstein.

Im Mai dieses Jahres haben wir unseren Webshop gelauncht und konnten erste Umsätze erzielen und Wiederkäufe generieren. Erste Listungen im LEH sind im Gange. Schlussendlich ist das Thema Teambuilding in Zeiten von Corona eine weitere Herausforderung gewesen. Ein offener, transparenter und dynamischer Austausch untereinander im Team liegt uns sehr am Herzen und wir haben einige Zeit gebraucht um Strukturen und Mechanismen zu schaffen, die für den Zusammenhalt des Teams wichtig sind. Momentan arbeiten wir gemeinsam mit zwei ‚Young Professionals im Bereich Content Marketing und externen Experten.

Serviervorschlag: Pinaks mit Frischkäse
Serviervorschlag: Pinaks mit Frischkäse

Wo findet ihr die besten Antworten auf eure Unternehmensfragen?

Uns hat der Austausch mit anderen GründerInnen sehr viel gebracht. Dafür gibt es verschiedene Plattformen wie das Food Innovation Camp, Crowdfoods, Kitchentown oder den Foodtechcampus, dort kann man auf das Wissen und die Erfahrung von anderen Teams zurückgreifen. Auch LinkedIn ist für uns Gold wert. Vor und während der Gründung erhielten wir umfassende Unterstützung unter anderem durch die Lokalhelden Gründerwerkstatt, den Incubator der HWR Berlin und den Impact Hub Leipzig. Darüber hinaus haben wir in den letzten Jahren ein großes Netzwerk aufgebaut und können dadurch auf die Expertise von verschiedenen Menschen zurückgreifen.

Was rätst du Gründerinnen und Gründern, die gerade selbst in den Startlöchern stehen?

Als erstes muss man sich überlegen, wo man hin will und was man erreichen möchte. Des weiteren sollte es einem aber bewusst sein, dass das Leben und die Gründung an sich keine Einbahnstraßen sind. Darum ist es wichtig sich zu trauen und Fehler zu machen. Darüber hinaus ist es relevant genau zu überlegen, mit wem man gründen möchte. Bauchgefühl und Kommunikation sind sehr wichtig. Man muss offen für Konflikte sein.

Fotos: Pinaks