Matchachin – ein natürlicher Energydrink aus dem Regenwald

Das Beste aus Kaffee, Tee und Energydrinks in einem Getränk vereint – so lautet das Versprechen von Matchachin, das aus dem Regenwald stammt. Daher wollten wir mehr über das deutsch-ecuadorianische Startup wissen. Im Interview erzählen uns die Gründer, welche Story dahinter steckt, was ihr Produkt so besonders macht und was Matchachin eigentlich bedeutet.

Bitte stellt euch zu Beginn einmal kurz vor. Wer steckt hinter Matchachin und wie seid ihr zusammengekommen?

Hallo wir sind Matchachin, ein deutsch-ecuadorianisches Startup, das euch mit Guayusa aus dem Regenwald versorgt. Gegründet haben es Pablo, ein in Ecuador lebender Agrar-Ingenieur und ehemaliger Entwicklungshelfer der BRD und Joshua, ein Startup-Unternehmer aus dem schönen Odenwald. Im Matchachin-Team sind in Deutschland mittlerweile sieben starke Macher am Werk und in Ecuador mehrere Gemeinden und Familien der Kichwa-Indigenen.


Wie ist die Idee zur Gründung von Matchachin entstanden?

Aufgrund seiner damaligen Tätigkeit als Entwicklungshelfer in Ecuador kam Pablo schon vor vielen Jahren in den Kontakt mit den Indigenen, die Kichwa (Quichua) aus dem Amazonasbecken von Ecuador. Dort entdeckte er dann die Blätter des Guayusa Baumes, das koffeinreichste Teeblatt der Welt, aus denen sich die Indigenen einen Tee zubereiten, den sie den „Nachtwächter“ nennen und den sie sehr schätzen. Kein Wunder, würdet ihr im wilden Dschungel leben, wüsstet ihr auch um die Wichtigkeit, nachts bei der Wache nicht einzuschlafen. Die Idee war nicht neu, denn in den USA gab es schon ein Startup, das versuchte Guayusa zu vermarkten. Dieses wurde sogar von Leonardo DiCaprio und Channing Tatum finanziert.

Da Pablo bereits eine Amazonaslodge mit den Indigenen mitten im Dschungel aufgebaut hatte, wo sie auch Guayusa den Gästen anboten, kam Pablo, der in Deutschland studierte, auf die Idee, Guayusa in Deutschland zu vermarkten. Hierfür suchte er noch einen Partner. Durch einen gemeinsamen Bekannten lernten sich Joshua und Pablo kennen. Joshua hatte bereits ein kleineres Tee-Startup aufgebaut. Als er Guayusa von Pablo probierte, da war für Joshua klar, das könnte ein wahrer Schatz sein. Also nichts wie weg nach Ecuador und vor Ort die Erzählungen von Pablo prüfen. Als Joshua die Indigenen im Amazonas besuchte und an einer „Guayusa upina“ (Guayusa-Zeremonie) der Kichwa teilnahm, da war die Idee eines gemeinsamen Startups geboren! Als Namen entschieden wir uns für Matchachin, was in der Sprache der Indigenen den Zustand beschreibt, wenn man Guayusa getrunken hat.

Das Matchachin-Team in Ecuador mit den Gründern Joshua (oben) und Pablo (unten) in der Mitte.
Das Matchachin-Team in Ecuador mit den Gründern Joshua (oben) und Pablo (unten) in der Mitte.


Was ist das Besondere an eurem Produkt und wie unterscheidet es sich von anderen Energydrinks?

Das Besondere ist zunächst die Wirkung von Guayusa. Es wirkt anders als Kaffee – oder Energydrinks. Kein Koffein-Crash, Guayusa ist zwar stark koffeinhaltig, aber aufgrund von enthaltendem L-Theanin wirkt es sanfter, dafür aber auch länger. Wir nennen es eine Art von „entspannter Wachsamkeit“. Dann ganz klar der Geschmack, super lecker und das ohne Zucker! Auch ist Guayusa reich an Antioxidantien (mehr als beim grünen Tee/Matcha) und zudem auch basisch, Guayusa übersäuert also nicht, wie zum Beispiel Kaffee! Dann natürlich die Herkunft des Tees von Matchachin. Wir arbeiten mit den Indigenen eng zusammen. Sie bauen unter unserer Bio-Zertifizierung Guayusa traditionell für uns an. Fair gehandelt ist diese Guayusa-Tradition etwas ganz Besonderes. Denn die Kichwa bauen Guayusa mitten im Regenwald, in sogenannten Waldgärten an.

Sie selber nennen diese Art Gärten: „Chakra“. Fachlich sprechen wir hier von der „agro-dynamischen Forstwirtschaft“ oder auch Permakultur. In diesen Gärten bauen die Indigenen entsprechend nicht nur Guayusa an, sondern auch vieles andere für ihre tägliche Ernährung, Gesundheit und für den regionalen Handel, wie Maniok, Mais, Gewürze und Heilkräuter. Das alles komplett im Einklang mit der Natur – echte Nachhaltigkeit mit “zero” Einsatz von jeglicher Chemie. Wir könnten nun noch einiges mehr zu Guayusa erzählen, beispielsweise, dass wir unsere Guayusa plastikfrei verpacken (kompostierbares Bioplastik) oder, dass wir 10 Cent je Verkauf an kostenlose Therapien für Kinder mit Behinderung spenden, oder… es gäbe hier noch so viel zu erzählen… zum Beispiel über das Thema Klarträumen mit Guayusa, aber dies bedarf einer langen Erklärung. Dafür und für noch viel mehr, schaut bitte auf unseren Blog.

Die Matchachin-Produkte: Guayusa-Tee in mehreren Varianten
Die Matchachin-Produkte: Guayusa-Tee in mehreren Varianten


Ein besonderes Anliegen ist euch die Unterstützung von Menschen in Ecuador. Bitte erzählt uns mehr über euer Engagement!

Mit Guayusa haben uns die Kichwa ein großartiges Geschenk gemacht. Sie hatten es lange für sich behalten und sich erst vor wenigen Jahren dazu entschieden Guayusa der Allgemeinheit zu offenbaren. Guayusa wächst nur im Gebiet der Kichwa. Man findet den Baum nur noch sehr selten, wild im Amazonas, denn es ist schon Jahrhunderte her, dass die Kichwa den Baum kultivierten. Sie gaben immer die besten Bäume an die Nachkommen weiter. So entstanden Guayusa-Varianten mit zum Beispiel dem Rekord-Koffeingehalt von 7,9 %! Diese Einzigartigkeit zu beschützen ist unser Ziel. Es wäre furchtbar, wenn man Guayusa wie andere Teesorten im großen Stil anbauen und so den Indigenen ihre wichtigste Einkommensmöglichkeit rauben würde. Denn die Problematik ist folgende: Die Kichwa haben eigentlich nur drei Einkommensmöglichkeiten – 1. den Verkauf von Holz, was den Regenwald zerstört – 2. den Tourismus – der recht überschaubar war und der nun auch durch die Corona-Pandemie leider gar nicht mehr existiert und 3. den Handel mit Guayusa.

Und hier kommen wir ins Spiel. Wir lassen die Gärten der Kichwa Bio-zertifizieren und bieten Ihnen einen Preis für die Guayusa an, der 30 % über dem des regionalen Marktpreises liegt. Dafür müssen die Kichwa aber auch bereits abgeholzte Flächen wieder aufforsten. So schaffen wir es auch, dass unser Tee klimaneutral erzeugt wird. Denn die Aufforstung gleicht den CO2-Impact durch den Export nach Deutschland entsprechend aus. Besonders stolz sind wir hier auch auf unser develoPPP-Projekt, das im April 2021 startete. Dank der finanziellen Unterstützung Deutschlands (develoPPP-Programm der DEG) legen wir gerade weitere 50 Chakras (Waldgärten) zu je einem Hektar an. WOW, oder? 50 Hektar Waldgärten, die zur Ernährungs- und Einkommenssicherheit der indigenen Bevölkerung beitragen werden. Wer dies so spannend findet wie wir, der folge uns bitte, denn wir dokumentieren den Fortschritt – live auf unseren Social Media-Kanälen.


Welches waren und sind die größten Herausforderungen bei eurer Gründung?

Da waren extrem viele Herausforderungen zu meistern. Die erste war, Guayusa-Erzeugnisse, also den Tee, für den Handel in der hiesigen „Zivilisation“ zu ermöglichen. Das war gar nicht so einfach. Aufgrund der Novel Food-Verordnung, war der Verkauf von Guayusa anfänglich verboten. Mit der Hilfe von Universitäten in Ecuador, dem Land Ecuador, den Behörden die für uns zuständig waren, der EU und viel Einsatz von Kooperativen von Guayusa-Unternehmungen ist es dank diverser Gutachten gelungen, dass wir für Matchachin eine Verkehrsfähigkeit ausgesprochen bekommen haben. Im Moment wird hart daran gearbeitet, dass diese auch in der ganzen EU gilt und der Novel Food-Status für Guayusa aberkannt wird. Das war so die härteste Herausforderung, bei der wir aber sehr viel Hilfe bekommen haben. Auch gilt hier ein großer Dank den Guayusa-Startups in den USA, die hierfür dank finanzieller Möglichkeiten auch sehr viel umsetzen konnten.

Natürlich gibt es auch weitere Herausforderungen- Zum Beispiel ist eine Kooperation mit anderen Kulturen und Weltanschauungen nicht immer einfach. Aber dank Pablos Erfahrungen klappt das mittlerweile sehr gut und Missverständnisse sind entsprechend nur noch selten der Fall. Jetzt stehen wir vor der größten Herausforderung: Sichtbarkeit -> Guayusa bekannt zu machen. Und zwar so bekannt, dass die erzeugten Mengen aus 50 Hektar Waldgärten sich auch absetzen lassen. Das ringt uns im Moment sehr viel Respekt ab… aber wir sind Matchachin, und Herausforderungen, die die Welt verbessern, die machen uns Spaß!


Wo findet Ihr die besten Antworten auf eure Unternehmensfragen?

Von Unternehmern selbst. So haben wir gezielt nach Mentoren gesucht. Dies natürlich dann über verschiedene Kanäle, am besten direkt – über Veranstaltungen oder direktes ansprechen zum Beispiel, aber auch über YouTube Tutorials, Podcasts, Bücher, Internetseiten / Interviews – wie die von euch – fanden wir oft die Ratschläge, die einen weiter bringen. Leider findet man nicht immer die passende Antwort, da hilft nur „learning by doing“. Entsprechend, ja – wir hatten auch oft schmerzhafte Rückschläge oder kostenpflichtige Auskünfte als Lerneffekt zu verkraften.


Wie geht es weiter – wo seht ihr Matchachin in einem Jahr?

Wir hoffen, steil – aber immer noch nachhaltig – nach oben! Also, in einem Jahr – da wünschen wir uns, von ganzen Herzen, in der Tee- und Getränkeabteilung des LEH unsere Produkte im Regal vorfinden zu können. Und dass wir viele zufriedene Kunden beobachten können, wie sie zu unseren Guayusa-Produkten greifen. Dass also der Tee, als auch unser „coming soon“-Produkt, der Guayusa Tee in der 0,33 Pfand Glasflasche, den Startup-Durchbruch erleben. Was wiederum dafür sorgen sollte, dass auch in Ecuador alles erfolgreich ablaufen wird. Win–Win-4all. Kichwa Indigene mit Einkommen, aufgeforsteter Regenwald und eine Menge Menschen die „Matchachin“ sind.


Welche Tipps habt ihr für Gründerinnen und Gründer, die gerade selbst in den Startlöchern stehen?

Unbedingt einfach machen. Nicht warten bis alles perfekt ist. Das war ein Fehler von uns, wir sind erst an die Öffentlichkeit, als alles präsentierbar war. Das war ein großer Fehler, denn es ist nie fertig. Kaum waren wir online, kamen die ersten Learnings und wir durften den ganzen Auftritt neu gestalten. Entsprechend merkt Euch: „Die einzige Konstante in eurem Startup ist die Veränderung“. Es kommt meist anders, als man denkt. Auch hat die Welt nur auf sehr wenige Startups voller Sehnsucht gewartet, also seid nicht enttäuscht, wenn der Start nicht gleich ein Erfolg wird. Dann der letzte Rat: Traut euch, traut euch fremde Menschen anzusprechen und ihnen euer Startup zu präsentieren. Traut euch auch, ein wenig „zu nerven“. Also nicht „stalken“, aber oft genug positiv präsent sein, sodass man euch auch wahrnimmt.

Fotos: Tausendkraut GmbH