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Tech trifft Genuss: Nitro Avenue macht Cocktails smarter

31. Juli 2025/in Startup News/von Lena Bertram

Aus dem Studium direkt ins Abenteuer: Leo Pach-Hanssenheimb startete mit einer Werbesagentur, gründete eine Produktionsstätte entdeckte Cold Brew Coffee für sich und entwickelte eine neue Methode, Espresso Martinis zu kredenzen. Was als Experiment begann, wurde zur Marke Nitro Avenue: Sie verbindet innovative Technik, cremige Cocktails und jede Menge Leidenschaft.

Vom Studium zur ersten Produktionsstätte

Noch während seines Studiums im Bereich International Management gründete Leo Pach-Hanssenheimb eine eigene Werbeagentur mit Schwerpunkt auf der Lebensmittelbranche. In dieser Zeit sammelte er umfangreiche Erfahrungen in den Bereichen Vertrieb, Marketing und Webdesign – Kompetenzen, die später zentrale Elemente seiner unternehmerischen Tätigkeit wurden. Im Rahmen seiner Agenturtätigkeit kam er mit der Yumbau Food GmbH in Kontakt, die asiatische Dim Sum und Soßen produziert. Zunächst unterstützte er das Unternehmen beratend, unter anderem durch die Erstellung von Marketingmaterialien sowie das Design von Broschüren und Webauftritten. Die Produkte des Unternehmens überzeugten ihn so sehr, dass er eine aktivere Rolle anstrebte. Diese Möglichkeit ergab sich 2016, als er als Mitgesellschafter bei Yumbau einstieg.

Noch im selben Jahr wurde im Sauerland die erste Produktionsstätte eröffnet, in der Pach-Hanssenheimb erste eigene Produkte entwickelte. Zwei Jahre später gründete er ein weiteres Unternehmen – ein eigenes Food-Startup mit Spezialisierung auf innovativen Cold Brew Coffee. Obwohl er zuvor selbst kaum Kaffee konsumierte, weckte insbesondere das Konzept von mit Stickstoff versetzten Nitro Cold Brew sein Interesse, für dessen Herstellung es eine eigens dafür konstruierte Zapfanlage gibt. Durch umfassende Recherchen und die eigenständige Entwicklung von Rezepturen baute er eine eigene Produktionsküche auf, in der er das Brauverfahren weiterentwickelte. Dabei gelang es ihm unter anderem, die Cold Brew-Zeit von zwölf Stunden auf zwanzig Minuten zu verkürzen. In diesem Prozess eignete er sich fundierte Kenntnisse der Branche an.

Pech bei Cold Brew und Glücksfall Espresso Martini

Nitro‑Avenue‑Gründer Leo Pach‑Hanssenheimb, links im Bild, beim Speakers Dinner vom Food Innovation Camp 2025. (Foto: Mathias Jäger)

Leo Pach-Hanssenheimb mietete zusätzlich zum Büro ein weiteres Zimmer und richtete dort eine kleine Produktionsküche ein. In 200-Liter-Fässern stellte er Cold Brew her, füllte ihn ab und verkaufte ihn direkt an Kunden. Bald zeigte sich jedoch, dass für den Einzelhandel eine andere Verpackung notwendig war: Das Getränk sollte in Dosen vertrieben werden. Daraufhin begann ein Lernprozess mit mehreren Versuchen bei der Abfüllung. Verschiedene Dienstleister wurden getestet – mit unterschiedlichem Erfolg. Ein besonders schwerer Rückschlag ereignete sich, als eine Charge von 30.000 Dosen aufgrund von Verderb durch Milchsäurebakterien unbrauchbar wurde und der finanzielle Verlust erheblich war. In dieser Phase ergab sich die entscheidende Wendung: Ein Kunde bat um die Abfüllung eines Espresso Martini. Pach-Hanssenheimb nutzte eine vorhandene Zapfanlage für eine Probeabfüllung, die unerwartet erfolgreich verlief. Daraus erkannte er weiteres Marktpotenzial und gründete daraufhin Nitro Avenue.

Die Geburtsstunde von Nitro Avenue

So entstand die Marke Nitro Avenue – ein Anbieter vorgefertigter Premium-Cocktails, die mithilfe von Stickstoff gezapft werden. Dieses Verfahren ermöglicht eine schnelle, gleichbleibend hochwertige Zubereitung und sorgt zugleich für einen besonderen Effekt beim Servieren. Der Markenname war das Ergebnis eines Kompromisses: „Nitro“ stand frühzeitig fest, in Anlehnung an den verwendeten Stickstoff. „Avenue“ hingegen war ein Vorschlag seiner damaligen Mitgründer. Obwohl Leo Pach-Hanssenheimb zunächst skeptisch war, wurde der Name mehrheitlich beschlossen. Rückblickend merkt er an, dass die Mitgründer inzwischen nicht mehr Teil des Unternehmens seien, der Markenname jedoch geblieben ist – und sich mittlerweile erfolgreich etabliert habe.

Ursprünglich war geplant, das Unternehmen unter dem Namen STOUGHTONs zu führen, inspiriert vom englischen Apotheker Richard Stoughton aus dem 17. Jahrhundert, der als Erfinder der Cocktails gilt. Auf eine markenrechtliche Absicherung wurde zunächst verzichtet – ein folgenschwerer Fehler: Ein anderes Unternehmen ließ sich den Namen später schützen, was eine weitere Nutzung außerhalb Münchens ausschloss. Nitro Avenue wurde zur alternativen Marke – und markierte gleichzeitig einen Neustart.

Cocktails mit Köpfchen: Zwischen Bar und Labor

Nitro Avenue war auf dem diesjährigen Food Innovation Camp vertreten (Bildmaterial: Jan Wagner)

Nitro Avenue spezialisiert sich auf cremige Cocktails mit hohem Wiedererkennungswert – allen voran den technisch vergleichsweise einfach umsetzbaren Espresso Martini. Dennoch ist auch bei diesem Produkt ein erheblicher Entwicklungsaufwand erforderlich. „Bis das Rezept wirklich gepasst hat, hat es ewig gedauert“, berichtet Leo Pach-Hanssenheimb. Einzelne Zutaten wurden mehrfach ausgetauscht, neue Kombinationen getestet – ein Prozess, den er augenzwinkernd mit der Arbeit in einem „kleinen Drogenlabor“ vergleicht, angesichts des Einsatzes von Hilfsstoffen wie Ascorbinsäure oder Xanthan. Bei komplexeren Cocktails wie dem Whisky Sour steigt die technische Herausforderung deutlich: Faktoren wie pH-Wert, Zutatenstabilität und die Einbindung des Stickstoffs müssen exakt aufeinander abgestimmt sein. Trotz dieser Anforderungen arbeitet das Team kontinuierlich an der Weiterentwicklung bestehender und neuer Rezepturen – mit dem Anspruch, jeden Cocktail in gleichbleibend hoher Qualität und mit perfekter Crema frisch vom Zapfhahn auszuschenken.

Zapfen ohne Schnickschnack: Nitro Avenue macht’s easy

Das Herzstück von Nitro Avenue ist ein selbst entwickelter Getränkespender – der sogenannte Nitro-Dispenser. Im Gegensatz zu herkömmlichen Geräten benötigt dieser keine externe Stickstoffflasche. Stattdessen nutzt er mikrofiltrierte Druckluft – also Luft, die sehr fein gefiltert und unter hohem Druck steht. Dadurch wird eine ähnliche Wirkung wie bei Stickstoff erzielt. Die kompakte Maschine ist benutzerfreundlich, braucht nur wenig Platz an der Bar und erzeugt eine gleichmäßige, feinporige Crema – das ist der cremige Schaum, der beim Ausgießen auf dem Cocktail entsteht. Diese technische Innovation hat gleich mehrere Vorteile: Sie sorgt dafür, dass jeder Drink stets die gleiche hohe Qualität hat, beschleunigt die Zubereitung und entlastet das Barpersonal – besonders in stressigen Situationen. So wird der gesamte Arbeitsablauf effizienter.

Vertrieb, Wachstum und Zukunftsperspektiven

Der Vertrieb von Nitro Avenue begann in München, wo Leo Pach-Hanssenheimb erste Kontakte zur Gastronomie aufbaute. Anfangs fokussierte sich das Unternehmen auf Betriebe mit bereits vorhandenen Zapfanlagen. Durch persönliche Empfehlungen und direkte Ansprache wurde das Kundennetzwerk schrittweise erweitert. Ende 2024 kam es zu einem deutlichen Rückschlag: Die Zahl der aktiven Kunden sank von etwa 15 auf einen. Grund dafür war ein Mitbewerber, der eine Kooperation mit dem Getränkegroßhändler BWDR einging. Da viele Gastronomiebetriebe Rahmenverträge mit BWDR hatten, wurden die Produkte von Nitro Avenue zugunsten des Mitbewerbers aus dem Sortiment genommen. In dieser Phase wurde ein neues Teammitglied eingestellt, das sich auf die Neukundengewinnung konzentrierte. Seitdem basiert der Vertrieb überwiegend auf persönlichen Empfehlungen von Gastronomen, die untereinander vernetzt sind.

Ein überzeugendes Tasting reicht meist aus, um neue Kunden zu gewinnen. Zudem wurden strategische Partnerschaften mit Marken wie Suntory (unter anderem Maker’s Mark, Haku Vodka) und der Jacobi Weinbrennerei aufgebaut. Letztere wechselte von einem Mitbewerber zu Nitro Avenue, da die Produktqualität und Flexibilität nicht den Erwartungen entsprachen. Die Lösungen von Nitro Avenue erfüllten die Anforderungen und waren preislich attraktiv. Aktuell sind etwa 60 Zapfanlagen von Nitro Avenue in Deutschland, Österreich und Spanien im Einsatz. Die Kunden reichen vom kleinen Bistro bis zur 5-Sterne-Hotellerie. Das Unternehmen wächst vollständig eigenfinanziert, ohne externe Investoren. Für die Zukunft sind technische Weiterentwicklungen geplant, darunter eine Inline-Karbonisierung zur Erweiterung des Getränkeportfolios. So soll das Angebot durch neue Produkte wie Fussy Drinks und Aperol Spritz ergänzt werden, die als potenzielle Bestseller gelten. Parallel dazu wird eine gezielte Markterweiterung angestrebt.

Beitragsbild: Nitro Avenue

Schlagworte: Nitro Avenue
https://foodinnovationcamp.de/wp-content/uploads/2025/07/IMG_6055-scaled.jpg 1439 2560 Lena Bertram https://foodinnovationcamp.de/wp-content/uploads/2020/09/FIC20_logo-1.png Lena Bertram2025-07-31 14:39:322025-07-31 14:39:33Tech trifft Genuss: Nitro Avenue macht Cocktails smarter
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