Welche Impulse liefert die Planetary Health Diet für die Food-Branche?
Die Studie „Unterm Strich gesünder“ der Kilmaschutzorganisation Madre Brava und und des Umweltberatungsunternehmens PATOS Solutions zeigt, wie sich eine Ernährung nach den Prinzipien der Planetary Health Diet auf Lebensmittelkosten, Gesundheit und das Ernährungssystem in Deutschland auswirken könnte. In diesem Beitrag erfahrt ihr mehr darüber.
Was wurde untersucht?
Im Mittelpunkt der Studie steht der Vergleich zweier Warenkörbe. Dem durchschnittlichen Lebensmittelkonsum eines deutschen Zwei-Personen-Haushalts wird ein Warenkorb gegenübergestellt, der sich an der Planetary Health Diet (PHD) orientiert. Diese Ernährungsweise sieht einen höheren Anteil pflanzlicher Lebensmittel wie Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte sowie Nüsse und Samen vor und reduziert gleichzeitig den Konsum tierischer Produkte. Für die Preisanalyse wurden Lebensmittel verschiedener Warengruppen im deutschen Lebensmitteleinzelhandel erfasst. Ergänzend nutzten die Autorinnen und Autoren etablierte wissenschaftliche Modelle, um mögliche Auswirkungen einer Ernährungsumstellung auf Krankheitslast und Gesundheitskosten zu berechnen. Ziel war nicht, das tatsächliche Kaufverhalten vorherzusagen, sondern unterschiedliche Ernährungsszenarien miteinander zu vergleichen.
Lebensmittelkosten im Vergleich

Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung betrifft die Kosten des täglichen Einkaufs. Nach den Berechnungen der Studie könnte ein durchschnittlicher Zwei-Personen-Haushalt durch einen PHD-orientierten Warenkorb rund 1.315 Euro pro Jahr beziehungsweise etwa 108 Euro pro Monat einsparen. Die täglichen Lebensmittelkosten würden dabei von 14,05 Euro auf 10,45 Euro sinken. Nach Angaben der Studie ist diese Einsparung nicht auf einzelne günstige Produkte zurückzuführen. Vielmehr verändert sich die Zusammensetzung des gesamten Warenkorbs. Während die Ausgaben für Obst, Gemüse und Getreideprodukte steigen, sinken insbesondere die Kosten für tierische Proteinquellen, Milchprodukte sowie Zucker- und Süßwaren. Gleichzeitig berücksichtigt das Modell eine geringere Kalorienaufnahme im Vergleich zum heutigen Durchschnittskonsum, was ebenfalls Einfluss auf die Gesamtkosten hat.
Proteinquellen als zentraler Hebel
Besonders deutlich werden die Unterschiede innerhalb der Warengruppe der Proteinquellen. Im durchschnittlichen Warenkorb entfallen hier rund 96 Prozent der Ausgaben auf tierische Produkte. Im PHD-orientierten Warenkorb verschiebt sich dieses Verhältnis deutlich zugunsten pflanzlicher Proteinquellen wie Hülsenfrüchten, Tofu, Nüssen und Samen. Dadurch sinken nach den Berechnungen der Studie auch die Gesamtkosten dieser Warengruppe. Gleichzeitig berücksichtigt die Studie auch pflanzliche Alternativprodukte. Sie weist jedoch ausdrücklich darauf hin, dass deren gesundheitliche Bewertung nicht allein anhand des Verarbeitungsgrades erfolgen kann. Entscheidend seien vielmehr die Nährstoffzusammensetzung sowie die Frage, welche Lebensmittel durch diese Produkte ersetzt werden. Weitere Forschung sei erforderlich, um langfristige gesundheitliche Auswirkungen verschiedener Alternativprodukte besser bewerten zu können.
Welche Bedeutung hat die Studie für Food-Startups?

Ein PHD-orientierter Warenkorb zeigt: eine stärker pflanzenbasierte Ernährung kann günstiger sein und gleichzeitig noch die Gesundheit fördern. (Bild: Madre Brava)
Die Studie liefert keine direkten Handlungsempfehlungen speziell für Startups, zeigt jedoch Entwicklungen auf, die für junge Unternehmen der Lebensmittelbranche relevant sein können. Der modellierte Warenkorb verdeutlicht die wachsende Bedeutung pflanzlicher Proteinquellen. Für Food-Startups entstehen daraus Potenziale in Bereichen wie alternative Proteine, Fermentation, pflanzliche Zutaten oder Convenience-Produkte. Gleichzeitig macht die Studie deutlich, dass sich erfolgreiche Innovationen nicht allein über technologische Entwicklungen definieren. Ebenso wichtig sind wettbewerbsfähige Preise, eine hohe Produktqualität und Lösungen, die sich unkompliziert in den Alltag der Verbraucherinnen und Verbraucher integrieren lassen. Gerade für junge Unternehmen wird damit deutlich, dass Innovation und Marktfähigkeit eng zusammenhängen. Produkte müssen nicht nur gesundheitliche oder ökologische Vorteile bieten, sondern auch hinsichtlich Geschmack, Preis und Verfügbarkeit überzeugen.
Der Lebensmitteleinzelhandel als Bindeglied zwischen Innovation und Verbraucher
Ein weiterer Schwerpunkt der Studie ist die Rolle des Lebensmitteleinzelhandels. Da der überwiegende Teil der Lebensmittel in Deutschland über Supermärkte und Discounter gekauft wird, haben diese einen erheblichen Einfluss darauf, welche Produkte sichtbar, verfügbar und erschwinglich sind. Die Studie stellt verschiedene Praxisbeispiele vor, in denen Handelsunternehmen ihr pflanzliches Sortiment ausbauen, Preisstrategien anpassen oder Verbraucherinnen und Verbraucher durch Rezeptideen und eine bessere Orientierung im Regal unterstützen. Für Food-Startups verdeutlicht dies die Bedeutung starker Partnerschaften mit dem Handel. Innovative Produkte entfalten ihr Potenzial erst dann, wenn sie Verbraucherinnen und Verbraucher im Alltag erreichen. Faktoren wie Listung, Preisgestaltung, Platzierung und Kommunikation spielen daher eine ebenso wichtige Rolle wie die Produktinnovation selbst.
Einordnung für die Food Innovation Community
Die Studie zeigt, dass Gesundheit, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit zunehmend gemeinsam betrachtet werden. Für die Food Innovation Community sind diese Themen seit Jahren zentrale Treiber für neue Produktentwicklungen und Geschäftsmodelle. Ob alternative Proteine, Fermentation, funktionelle Lebensmittel oder neue Convenience-Konzepte – viele Startups arbeiten bereits an Lösungen, die genau diese Anforderungen adressieren. Ebenso entscheidend wird sein, Produkte zu entwickeln, die bezahlbar, alltagstauglich und für eine breite Zielgruppe zugänglich sind. Damit liefert die Studie wichtige Anhaltspunkte für Unternehmen entlang der gesamten Lebensmittelwertschöpfungskette – von Startups über Hersteller bis hin zum Handel.
Hier geht es zur Studie.










© Stefan Groenfeld