Die wichtigsten Food-Finanzierungsrunden im September 2026
Im September 2026 wurden erneut mehrere Finanzierungen und Förderungen für Unternehmen und Projekte aus dem FoodTech- und Agrifood-Bereich bekanntgegeben. Die Vorhaben reichen von alternativen Proteinen über Fermentation, pflanzliche Lebensmittel bis hin zum Ausbau industrieller Produktionskapazitäten.
Britisches NAPIC fördert 33 Projekte zu alternativen Proteinen
Das britische National Alternative Protein Innovation Centre (NAPIC) hat in der zweiten Runde seines Collaborative Programme Funding (CPF II) mehr als 1 Million Pfund für 33 Kooperationsprojekte vergeben. Gefördert werden unter anderem Vorhaben zu Fermentation, Pflanzenproteinen, Algen und Lebensmittelsicherheit. Die Projekte reichen von der Entwicklung neuer Proteinquellen und Produktionsverfahren bis zu KI-gestützter Lebensmittelauthentifizierung, Verbraucherakzeptanz und regulatorischen Fragestellungen. Die einzelnen Förderungen liegen je nach Förderkategorie zwischen 10.000 und 100.000 Pfund. Zu den geförderten Projekten zählt unter anderem das Startup HyphaPRO, das mithilfe von Pilzfermentation Proteine wie Ovalbumin und Ovotransferrin herstellen will. Zudem untersuchen die University of Sheffield und ProVeg UK, wie sich die Akzeptanz pflanzlicher Mahlzeiten an britischen Grundschulen erhöhen lässt. NAPIC wurde 2024 mit 15 Millionen Pfund staatlicher Förderung sowie weiteren 23 Millionen Pfund von öffentlichen und privaten Partnern gegründet und wird von der University of Leeds koordiniert.
Belgisches FoodTech-Unternehmen Paleo erhält 2 Millionen Euro

Das belgische FoodTech-Unternehmen Paleo hat eine Finanzierungsrunde über 2 Millionen Euro abgeschlossen. Die Runde wurde vom bestehenden Investor Beyond Impact VC angeführt. Das Unternehmen entwickelt mithilfe von Präzisionsfermentation tierfreies Myoglobin als Zutat für Fleischalternativen. Das neue Kapital soll vor allem Zulassungsverfahren und kommerzielle Partnerschaften vorantreiben. Nach eigenen Angaben hat Paleo die Produktionskosten für Myoglobin innerhalb der vergangenen zwei Jahre um den Faktor 613 gesenkt und die Produktion im größeren Maßstab demonstriert. Konkrete Kosten pro Kilogramm oder Produktionsmengen veröffentlichte das Unternehmen jedoch nicht. Beyond Impact hatte sich bereits 2023 an einer 12-Millionen-Euro-Series-A-Finanzierungsrunde von Paleo beteiligt. Das Unternehmen hatte Ende 2025 seine Aktivitäten angesichts des schwierigen Marktumfelds auf die Kernforschung und -entwicklung fokussiert.
MicroLub erhält 10 Millionen US-Dollar für die Expansion
Das britische FoodTech-Unternehmen MicroLub, ein Spin-off der University of Leeds, hat eine Finanzierungsrunde über 10 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Die Runde wurde von Northern Gritstone angeführt, das 4 Millionen Pfund beisteuerte. Das Kapital soll unter anderem die Expansion in die USA und nach Asien, neue Mitarbeiter und die Überführung von Kundentests in kommerzielle Lieferverträge finanzieren. MicroLub entwickelt einen proteinbasierten Fettersatz, der mithilfe von Wasser die Schmiereigenschaften von Fett nachbildet. Laut Unternehmen kann der Inhaltsstoff den Fett- und Kaloriengehalt von Lebensmitteln um bis zu 75 % reduzieren, ohne Textur und Mundgefühl wesentlich zu verändern.Die Technologie basiert auf Protein-Mikrogelen und kann mit verschiedenen Proteinquellen wie Erbse, Soja, Hafer, Ackerbohne und Mandel eingesetzt werden. MicroLub hatte bereits 2024 eine Seed-Finanzierung über 3,5 Millionen Pfund erhalten – ebenfalls unter Führung von Northern Gritstone
MOA Foodtech erhält Finanzierung für Ausbau der Produktion
Das spanische Biotech-Unternehmen MOA Foodtech hat eine Finanzierungsrunde über 3,3 Millionen Euro abgeschlossen. Beteiligt sind unter anderem Swanlaab Innvierte AgriFood Tech, der Europäische Innovationsrat (EIC) und CDTI-Innvierte. Das Kapital soll in den Ausbau der Produktion und den kommerziellen Vertrieb fließen. MOA entwickelt mithilfe von Fermentation funktionelle Inhaltsstoffe aus Agrar- und Lebensmittelnebenprodukten. Das Unternehmen bietet unter anderem einen Eiersatz sowie Hefeprodukte für Lebensmittel und Tierfutter an. MOA Yeast FeG wird bereits in einem kommerziellen Tierfutterprodukt eingesetzt. Mit der Finanzierung soll die verfügbare Bioreaktorkapazität in Spanien von 120.000 auf 225.000 Liter steigen. Die Produkte werden von Produktionspartnern hergestellt und über MOAs eigenes Vertriebsteam vermarktet. Die Finanzierung ist Teil einer 2025 zugesagten EIC-Förderung von insgesamt 14,8 Millionen Euro.
Elian erhält 40 Millionen Euro für Ausbau der Sojaproteinproduktion
Das spanische Agrarunternehmen Elian erhält 40 Millionen Euro vom staatlichen Entwicklungsfinanzierer COFIDES. Dafür übernimmt COFIDES über den Co-Investitionsfonds FOCO eine Minderheitsbeteiligung. Das Kapital soll in den Ausbau der Sojaproteinanlage im Hafen von Barcelona fließen. Die Erweiterung soll Anfang 2028 abgeschlossen sein und die Produktionskapazität für Proteinderivate um mehr als 100.000 Tonnen pro Jahr erhöhen. Das Werk soll auf eine Fläche von rund 90.000 Quadratmetern wachsen und konzentrierte sowie texturierte Sojaproteine für europäische Lebensmittelhersteller produzieren. Elian fördert zudem den Anbau von gentechnikfreiem Soja in Katalonien und Aragón. Bis 2026 soll die Anbaufläche nach Unternehmensangaben auf 3.000 Hektar steigen.
Französicher Hersteller Jay&Joy integriert Crowdfunding in seine Finanzierungsrunde

Der französische Hersteller von pflanzlichem Käse Jay&Joy strebt eine neue Finanzierungsrunde mit dem Ziel von 1,3 Millionen Euro an, an der sich auch Privatanleger über Crowdcube beteiligen können. Das Kapital soll in Produktionskapazitäten, Produktentwicklung und den Ausbau des Vertriebsteams fließen. Seit 2023 konnte Jay&Joy bereits über 5 Millionen Euro einsammeln. 2025 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 2,2 Millionen Euro, verzeichnete jedoch auch einen Verlust von 2,1 Millionen Euro. Nach der Integration des 2025 übernommenen Wettbewerbers Les Nouveaux Affineurs will Jay&Joy weiter wachsen und nach eigenen Angaben 2027 ein positives EBITDA erreichen. Die Produkte werden inzwischen in zehn europäischen Ländern und nach Unternehmensangaben in mehr als 2.000 Einzelhandelsgeschäften verkauft.
Nordic Foodtech VC erhält bis zu 30 Millionen Euro vom EIF
Der Europäische Investitionsfonds (EIF) hat bis zu 30 Millionen Euro für den zweiten Fonds von Nordic Foodtech VC zugesagt. Damit könnte das Fondsvolumen auf rund 70 Millionen Euro steigen. Ziel sind 80 Millionen Euro, die in Food- und Agritech-Unternehmen in der Pre-Seed- und Seed-Phase investiert werden sollen. Der NFT.VC Fund II soll rund 30 Unternehmen, vor allem in Nordeuropa, unterstützen. Der Fokus liegt auf den Bereichen Landwirtschaft, Ernährung, Gesundheit und Biotechnologie. Geplant sind Erstinvestitionen von bis zu 2 Millionen Euro sowie weitere Mittel für Folgefinanzierungen. Der erste Fonds von Nordic Foodtech VC umfasste 42 Millionen Euro und investierte in 18 Unternehmen. Dazu gehören unter anderem Enifer, Melt&Marble und ÄIO, die an alternativen Proteinen, Präzisionsfermentation sowie Öl- und Fettzutaten arbeiten.
Beitragsbild: Pexel










