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In-vitro-Food: die Revolution der Fleischproduktion aus dem Labor

19. Februar 2026/in Startup News/von Lena Bertram

In-vitro-Food liefert echte tierische Produkte ohne Schlachtung und ressourcenschonend. Vom ersten Labor-Burger bis zu heutigen Startups zeigt die Technologie, wie Innovation den Lebensmittelmarkt verändern kann. Der Artikel erklärt, wie die Technologie funktioniert, welche Startups sie vorantreiben und wie der rechtliche Rahmen aussieht.

Definition und Bedeutung

KI-generiertes Bild zum Thema „In-vitro-Food“

In-vitro-Food – häufig auch als „Laborfleisch“ oder „zellbasiertes Fleisch“ bezeichnet – entsteht durch die Vermehrung tierischer Zellen außerhalb des Tierkörpers. Der Begriff „in vitro“ bedeutet wörtlich „im Glas“ und beschreibt die Kultivierung von Zellen in einem kontrollierten Umfeld, etwa in Bioreaktoren. Internationale Aufmerksamkeit erlangte die Technologie am 5. August 2013, als in London erstmals öffentlich ein Burger aus kultivierten Rindermuskelzellen verkostet wurde. Entwickelt wurde er von dem niederländischen Wissenschaftler Mark Post, finanziell unterstützt unter anderem vom Google-Mitgründer Sergey Brin.

Die Herstellungskosten lagen damals bei rund 250.000 Euro – ein symbolträchtiger Preis, der vor allem den experimentellen Charakter und die hohen Entwicklungskosten der frühen Phase verdeutlichte.Aus diesem Forschungsprojekt entstand später das Unternehmen Mosa Meat, das seitdem kontinuierlich daran arbeitet, die Produktionskosten drastisch zu senken und gleichzeitig die Technologie marktfähig zu machen. Im Fokus stehen echte tierische Zellen, aus denen Forschende Muskel-, Fett- oder Bindegewebe züchten. Ziel ist es, Fleisch, Fisch oder Geflügel möglichst originalgetreu in Geschmack, Textur und Nährwert nachzubilden – ohne konventionelle Tierhaltung und Schlachtung.

Herstellungsprinzip und Abgrenzung

In-vitro-Food wird aus tierischen Stamm- oder Muskelzellen hergestellt, die in einem Nährmedium außerhalb des Tierkörpers vermehrt werden. Die Zellkultivierung erfolgt in Bioreaktoren unter kontrollierten Bedingungen, darunter Temperatur, Sauerstoffzufuhr und pH-Wert. Dabei entwickeln sich die Zellen zu Muskelgewebe, das als Lebensmittel weiterverarbeitet werden kann. Im Jahr 2020 genehmigte Singapur als erstes Land weltweit den Verkauf von kultiviertem Fleisch und schuf damit einen regulatorischen Präzedenzfall.

Neben Rindfleisch werden inzwischen auch Geflügel und Fisch auf Zellkulturbasis entwickelt. Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, die Zusammensetzung der Produkte technologisch zu beeinflussen, etwa hinsichtlich des Fettsäureprofils. Kultiviertes Fleisch ist von pflanzlichen Fleischersatzprodukten klar zu unterscheiden. Diese Alternativen basieren auf pflanzlichen Proteinen wie Soja, Erbsen oder Weizen und bilden sensorische Eigenschaften von Fleisch nach. Zellbasiertes Fleisch hingegen besteht aus tierischen Zellen und entspricht in seiner biologischen Grundlage dem konventionellen Produkt.

Junge Startups und Innovationen

Von links oben nach Rechts unten: Mosa Meat; Innocent Meat; Upside Foods und BLUU Seafood.

Neben dem bereits erwähnten Mosa Meat gibt es in Deutschland Innocent Meat. Das Unternehmen entwickelt Verfahren zur Herstellung von kultiviertem Fleisch in Bioreaktoren. Ziel ist die industrielle Produktion unter Einhaltung europäischer Lebensmittelstandards. Der Schwerpunkt liegt auf technologischer Prozessentwicklung und Skalierbarkeit. Zu den US-amerikanischen Unternehmen zählt Upside Foods. Das Unternehmen produziert unter anderem kultiviertes Hühnerfleisch und erhielt 2023 eine Zulassung für den Verkauf in den USA. Es betreibt Produktionsanlagen zur Weiterentwicklung und Skalierung der Zellkulturtechnologie. Im Bereich kultivierter Fischfleisch ist BLUU Seafood aus Deutschland aktiv. Das Unternehmen entwickelt Fischprodukte auf Basis von Zellkulturen, darunter Lachs und Forelle. Der Fokus liegt sowohl auf der Entwicklung marktfähiger Produkte als auch auf der Erlangung der erforderlichen regulatorischen Zulassungen. Die Branche finanziert sich überwiegend durch Risikokapital. Zusätzlich beteiligen sich etablierte Lebensmittelunternehmen über Investitionen und Kooperationen an der technologischen Entwicklung und Markteinführung entsprechender Produkte.

Rechtlicher Status in Deutschland

In Deutschland fällt In-vitro-Food unter die Novel-Food-Verordnung der Europäischen Union. Diese Regelung besteht seit 1997 und betrifft neuartige Lebensmittel, die vor diesem Zeitpunkt in der EU nicht in nennenswertem Umfang verzehrt wurden. Vor einer Markteinführung müssen sie durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) geprüft und zugelassen werden. Derzeit sind in Deutschland noch keine entsprechenden Produkte kommerziell erhältlich.

Bildmaterial: Mosa Meat; Innocent Meat; Upside Foods; BLUU Seafood

Schlagworte: Bluu Seafood, Innocent Meat, Mosa Meat, UPSIDE Foods
https://foodinnovationcamp.de/wp-content/uploads/2026/02/Bild-1.jpg 516 772 Lena Bertram https://foodinnovationcamp.de/wp-content/uploads/2020/09/FIC20_logo-1.png Lena Bertram2026-02-19 10:31:362026-02-19 10:51:55In-vitro-Food: die Revolution der Fleischproduktion aus dem Labor
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