Aktuelle Studie zeigt Potenzial der Proteindiversifizierung
Die globale Ernährung steht vor großen Herausforderungen: Der steigende Konsum tierischer Lebensmittel belastet die Umwelt erheblich und erfordert eine nachhaltige Proteindiversifizierung. Die Studie „A Taste of Tomorrow“ zeigt, dass alternative Proteine eine zentrale Rolle bei der Transformation des Ernährungssystems spielen können.
Warum ist Proteindiversifizierung wichtig?
Die steigende Nachfrage nach tierischen Lebensmitteln führt zu erheblichen Umweltbelastungen und steigenden Lebensmittelpreisen. Die Tierhaltung verursacht weltweit 15–20 % der Treibhausgasemissionen und beansprucht große Mengen an Wasser und landwirtschaftlicher Fläche. Gleichzeitig steht die deutsche Landwirtschaft vor strukturellen Veränderungen. Alternative Proteine bieten eine nachhaltige Lösung. Pflanzliche, fermentationsbasierte und kultivierte Produkte können tierische Lebensmittel ersetzen, indem sie Geschmack und Konsistenz nachbilden, aber eine deutlich bessere Umweltbilanz aufweisen. Die Förderung dieser Alternativen trägt sowohl zur Reduzierung der Umweltbelastung als auch zur wirtschaftlichen Entwicklung bei.
Wirtschaftliches Potenzial
Deutschland ist Europas größter Markt für pflanzliche Lebensmittel mit einem Einzelhandelsumsatz von rund 2,2 Milliarden Euro im Jahr 2023. Eine aktuelle Studie zeigt, dass alternative Proteine bis 2045 erheblich zur Bruttowertschöpfung beitragen könnten. Je nach politischer Unterstützung gibt es drei Szenarien: Im Business-as-Usual-Szenario könnte das Marktvolumen auf etwa 8 Milliarden Euro wachsen und rund 100.000 neue Arbeitsplätze schaffen. Im optimistischeren Szenario wären bis zu 23 Milliarden Euro Marktvolumen und 250.000 neue Arbeitsplätze denkbar. Deutschland hat durch seine Stärken in Maschinenbau und Biotechnologie gute Voraussetzungen, eine führende Rolle in diesem Wachstumsmarkt zu übernehmen. Landwirtschaftliche Anreize, wie Programme zur Förderung des Anbaus von Proteinpflanzen, könnten zudem die heimische Produktion und Wertschöpfung weiter stärken.

Politische Handlungsempfehlungen
Damit Deutschland wettbewerbsfähig bleibt, sind gezielte Maßnahmen erforderlich. Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören regulatorische Anpassungen, wie etwa schnellere Zulassungsverfahren für neue Lebensmittel, da die derzeit langen Genehmigungszeiten die Markteinführung verzögern. Zudem ist eine erhöhte Forschungsförderung notwendig: Die bisherigen Investitionen von 13 Millionen Euro pro Jahr sollten auf 140 Millionen Euro steigen, um Innovationen voranzutreiben. Auch infrastrukturelle Maßnahmen sind entscheidend, insbesondere der Ausbau lebensmitteltauglicher Produktionsstätten, um Produktionskosten zu senken und die Skalierung zu ermöglichen. Ein weiterer wichtiger Schritt ist die Förderung von Startups: Finanzielle Unterstützung für junge Unternehmen ist essenziell, um hohe Entwicklungskosten und regulatorische Hürden zu bewältigen. Zur Nachfrageförderung sollten öffentliche Einrichtungen wie Kantinen und Schulen alternative Proteine verstärkt anbieten. Schließlich sind auch landwirtschaftliche Anreize von Bedeutung: Programme zur Förderung des Anbaus von Proteinpflanzen würden die heimische Produktion und Wertschöpfung stärken.
Aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen
Deutsche Unternehmen wie Rügenwalder Mühle, Hochland und die PHW-Gruppe investieren verstärkt in pflanzliche und fermentationsbasierte Alternativen. Auch die Forschungslandschaft ist mit zahlreichen Hochschulen und Instituten gut aufgestellt. Eine zentrale Herausforderung bleibt jedoch die langsame Zulassung neuartiger Lebensmittel. Während die EU bis zu vier Jahre für Genehmigungen benötigt, sind Länder wie die USA und Singapur deutlich schneller. Dies könnte die Innovationskraft der deutschen Branche langfristig gefährden.

Zukunftsperspektiven
Um das Potenzial alternativer Proteine vollständig auszuschöpfen, sind verschiedene Maßnahmen entscheidend. Zunächst erfordert es erhöhte Investitionen in Forschung und Entwicklung, um technologische Fortschritte zu beschleunigen. Gleichzeitig sollten internationale Kooperationen aufgebaut werden, um vom wachsenden Exportmarkt zu profitieren. Transparente Verbraucherkommunikation spielt ebenfalls eine Schlüsselrolle, da sie Akzeptanz und Nachfrage steigert. Mit einer gezielten Strategie kann Deutschland nicht nur seine wirtschaftliche Position stärken, sondern auch einen bedeutenden Beitrag zu nachhaltiger Ernährung und Klimaschutz leisten. Darüber hinaus sollte die Nachfrage gefördert werden, indem öffentliche Einrichtungen wie Kantinen und Schulen verstärkt alternative Proteine anbieten. Auch landwirtschaftliche Anreize in Form von Programmen zur Förderung des Anbaus von Proteinpflanzen könnten die heimische Produktion und Wertschöpfung stärken.
In einem weiteren Beitrag werden wir die Ergebnisse der Studie erneut im Kontext von Startups behandeln. Die gesamte Studie steht hier zum Download zur Verfügung.
Bildmaterial: A Taste Of Tomorrow