Rootery Coffee sorgt für Kaffeearoma ohne Bohne
Mit 17 gründete sie Rootery Coffee, mit 18 stellte sie es bei „Die Höhle der Löwen“ vor: Angelina Widmann ist eine echte Überfliegerin! Das zeigen auch ihre vielen Hobbys und sozialen Engagements, doch besonders wichtig ist ihr natürlich ihr Startup, das einen nachhaltig und fair produzierten Kaffeeersatz anbietet. Was ihn so besonders macht und was sie bei den Löwen erlebt hat, schildert sie in unserem Exklusivinterview.
Vielen Dank, dass du dir die Zeit für ein Interview mit uns nimmst! Könntest du uns zu Beginn etwas über dich erzählen und was du außer Rootery Coffee machst?
Mittlerweile bin ich 19 Jahre alt, studiere Jura und Biologie, spiele aktiv American Football und Flag Football und engagiere mich pan-europäisch im Forum Alpbach und anderen Organisationen. Ich war zu jedem Zeitpunkt der Entwicklung von Rootery Schülerin mit vielfältigen Interessen und der Überzeugung, dass man Dinge am besten „during the process“ lernt. Ich habe versucht, aus allen Hobbys und Lebensbereichen etwas in Rootery einzuarbeiten, von der Konsequenz aus dem American Football bis zur Produktfotografie aus meinen Foto-Nebenjobs.

Wie ist die Idee für Rootery Coffee entstanden?
Die Idee für Rootery Coffee entstand, als ich mit etwa 15 von den sozialen und ökologischen Missständen in der Kaffeekapsel- und Kaffeeindustrie schockiert war und mir dachte: Wenn es Fleisch ohne Tier gibt, warum dann nicht Kaffeekapseln ohne Bohne? Ich habe nach Alternativen gesucht, keine gefunden und dann beschlossen, das selbst umzusetzen, weil mich das Startup-Milieu immer schon interessiert hat und ich das Problem und die Lösung klar vor mir hatte. Bei der Recherche bin ich auf Zichorienwurzel gestoßen, eine Pflanze, die beim Rösten kaffeeähnliche Aromen entwickelt, und habe daraus Schritt für Schritt ein kapseltaugliches Produkt entwickelt. Begonnen hat das in meinem Kinderzimmer, was ziemlich viele Gerätschaften wie eine Röstmaschine und eine Mühle erforderte und Chaos gestiftet hat. An einem Punkt, wo klar war: „Das funktioniert“, habe ich dann Partner für die Produktion gesucht und gefunden. Meine Mutter war sehr erleichtert, dass das Experimentieren in der Wohnung ein Ende hatte.
Was macht Rootery Coffee besonders?
Rootery Coffee macht besonders, dass es die weltweit ersten Kaffeekapseln ohne Bohne sind: Statt Kaffeebohnen nutzen wir geröstete Zichorienwurzel aus Europa und schaffen so Kaffeegenuss mit deutlich kürzerer Wertschöpfungskette. Die Kapseln sind heimkompostierbar, Nespresso-kompatibel und koffeinfrei, schmecken aber trotzdem kaffeeähnlich und sind dabei gut verträglich. Zusätzlich verbindet Rootery Genuss mit messbarem Impact: Pro verkaufte Packung wird eine Mahlzeit für ein Kind in Not finanziert. Das Ziel ist, ein Alternativprodukt zum Welthandelsgut Kaffee zu schaffen, das preisstabil und zukunftssicher ist und dabei garantiert keine unmenschlichen Bedingungen oder Kinderarbeit beinhaltet.
Was hat dich dazu bewogen, dich bei Die Höhle der Löwen zu bewerben?
Dafür gab es eine Vielzahl an Gründen, ich war und bin der Meinung, dass die Message von Rootery in die Welt hinaus muss und wollte auch unbedingt das ungeschönte Feedback der Löwen und im Idealfall ein Investment. Zwar nicht um jeden Preis, denn es war mir schon wichtig, ein Statement zu setzen, dass bezüglich Nachhaltigkeit und sozialem Impact keine Kompromisse gemacht werden. Auch war mir bewusst, dass ich mit einem Pitch in der Höhle Teenager und junge Menschen inspirieren kann, einen ähnlichen Weg zu gehen, auch wenn sie vielleicht nicht dem Klischeebild eines jungen Gründers/einer jungen Gründerin entsprechen. Die Bewerbung ansich entstand dann in der Mittagspause, als ich mit dem Laptop auf der Couch gesessen bin.

Wie hast du dich auf die Sendung vorbereitet?
Ehrlicherweise kaum, da ich davor aufgrund eines stressbedingten Umkippers außer Gefecht war und auch Prüfungsphase hatte. Die Vorbereitung hat sich daher fast nur auf den Rootery Standard Pitch „höhlentauglich“ zu machen und die neue Version auswendigzulernen beschränkt. Ich glaube stark an die Mission von Rootery und habe mir daher vorgenommen, mich nicht zu stressen, mit meiner üblichen „let’s goooo!“ Herangehensweise zu arbeiten und meine Erfahrungen aus Sportstadien und Poetry Slam zu nutzen, um nicht nervös zu sein. Bezüglich der potenziellen Fragen der Löwen habe ich dann einfach beschlossen, keine blumigen Umschreibungen für Fakten zu formulieren, sondern einfach ohne zögern zu sagen was Sache ist, auch wenn es vielleicht nicht so vorteilhaft für ein potenzielles Investment ist.
Wie war dein Auftritt vor den Löwen?
Habe nur gute Erinnerungen daran! Das Feedback der Löwen war extrem nützlich, die Erfahrung einfach episch und hat mich gut auf viele Situationen vorbereitet, die mir in meiner Startup-Laufbahn begegnet sind und noch begegnen werden. Als Teenager reift man im Speed-Tempo, daher fällt mir rückblickend vieles auf, was ich jetzt anders machen würde, auch wenn es noch nicht so lange her ist. Trotzdem glaube ich, dass ich für den damaligen Status Quo die Mission von Rootery ganz gut rübergebracht habe und auch ein Statement für meine Generation an Gründer:innen gesetzt habe. Und ich bin dem Sender sehr dankbar, dass er einen kleinen Jonglier-Fail von mir rausgeschnitten haben, dafür war ich dann doch etwas zu aufgeregt (lacht). Deal gab es keinen, aber das Feedback war es trotzdem absolut wert!
Was ist seit dem Pitch passiert?
Seit dem Pitch habe ich Rootery eine kleine Pause gegeben, weil ich erkannt habe, dass das Produkt doch noch die ein oder andere Feinjustierung braucht und auch mir selber eine Phase erlaubte, in der ich ohne Hyperfokus durchs Leben gegangen bin und neue Erfahrungen gesammelt habe, sei es beim Reisen oder neuen Engagementbereichen, beziehungsweise „Sidequests“, wie ich es gerne nenne, denn wenn ein Produkt wächst, muss auch die Person dahinter wachsen.
Fotos: RTL / Bernd-Michael Maurer








RTL / Frank W. Hempel

