nüchtern: vom alkoholfreien Späti in die Höhle der Löwen
Was 2020 mit dem ersten alkoholfreien Späti Deutschlands begann, ist heute eine innovative Getränkemarke: nüchtern. Die Gründerin Isabella Steiner setzt auf praktische Drink-Konzentrate und will alkoholfreies Trinken gesellschaftsfähiger machen. Im Interview erzählt sie, wie sie sich bei Die Höhle der Löwen präsentierte und warum das Unternehmen auch ohne Deal weiter wächst.
Könntest du uns etwas über dich erzählen und was du vor nüchtern gemacht hast?
Ich komme aus Südbaden und habe in Basel Soziologie studiert. Gesellschaftliche Trends waren schon immer mein Steckenpferd. Dadurch konnte ich den Markt für alkoholfrei sehr früh erkennen. Ich habe bei einer Lifestyle-Agentur Presse gelernt. Mein erster richtiger Job war dann eigentlich schon nüchtern – 2020 habe ich das Start-up gegründet. Außerdem habe ich das Buch „Mindful Drinking“ geschrieben, erschienen im Knesebeck Verlag.
Wie ist die Idee für nüchtern entstanden?
Schon 2016 habe ich in den USA und in UK erste Anzeichen für einen neuen Markt gesehen. Mit dem Umzug nach Berlin ist mir das Thema förmlich ins Gesicht gesprungen. Trinken und Feiern gehören hier einfach zum Stadtbild. Ich habe ja selbst auch gerne ein Drink in der Hand. Es war klar: Das Thema ist super relevant, sehr emotional und einfach wichtig. Alkohol ist tief in unserer Kultur, unserer Gesellschaft und unseren Köpfen verankert. Und es gab immer diese eine Frage: „Was trinke ich, wenn ich nicht trinke?“ nüchtern ist meine Antwort darauf. 2020 sind wir als Händler gestartet und mit dem ersten alkoholfreien Späti Deutschlands bekannt geworden. 2025 haben wir dann zur Herstellermarke pivotiert und eine eigene Produktlinie entwickelt.
Was macht nüchtern besonders?

Unsere Mission ist es, alkoholfrei gesellschaftsfähig zu machen. Alkoholfrei hat immer noch so einen schlechten Ruf und kämpft mit vielen Vorurteilen. Deshalb denken wir alkoholfrei komplett neu. Alkoholfrei muss leicht, verfügbar und praktisch sein – und zum Zeitgeist passen. Also haben wir die Flasche einfach weggelassen. Aus nur 12 ml Konzentrat entsteht ein vollwertiger Drink – mit 4 bis 5 Eiswürfeln und 150 bis 200 ml Tonic Water. Das ist eine echte Produktinnovation und revolutionär, was die Verpackung angeht. Über 35.000 Kundinnen haben wir schon begeistert. Und wir stehen erst ganz am Anfang.
Was hat dich dazu bewogen, dich bei „Die Höhle der Löwen“ zu bewerben?
Unser Produkt passt perfekt ins Fernsehen. Man kann es gut erklären und gut zeigen. Es ist emotional und passt genau zu unserer Zielgruppe. In den letzten Monaten wurde ich so oft gefragt, ob ich mich nicht bei DHDL bewerben will. Dabei hatte ich mich schon längst beworben – ich durfte es einfach nur niemandem erzählen. Für mich war das ein Zeichen: Alle sehen, dass wir das perfekte Produkt für die Sendung sind. Deshalb bin ich diesen Schritt auch sehr früh gegangen.
Wie hast du dich auf die Sendung vorbereitet?
Ich hatte sechs Wochen Zeit. Und es war mein allererster Pitch überhaupt – ausgerechnet vor den Löwen. Ich hatte viele Coaching-Sessions, habe Schauspielunterricht genommen, Impro-Theater gemacht und den Pitch mit einem absoluten Kommunikationsprofi vorbereitet. Wer mir auf LinkedIn folgt, weiß um meine Stage Panic. Für mich war das also eine echte Konfrontationstherapie. Es war anstrengend und schwierig – aber ich habe unglaublich viel gelernt.
Wie war dein Auftritt vor den Löwen?

Die Aufzeichnung war im Januar 2026 – mitten im Umbau vom Händler zur Herstellermarke. Mit unseren eigenen Produkten hatten wir damals erst 50.000 Euro Umsatz. Ich wusste, dass es früh war und auch schwer zu pitchen. Ich hatte 12 Prozent Anteile für 300.000 Euro angeboten. Die Diskussion war sehr emotional und hitzig. Alkohol ist eben ein sehr persönliches Thema. Auch unser Markenname hat für einige Diskussionen gesorgt. Für mich ein gutes Zeichen: Ein Name, über den man spricht und der gleichzeitig erklärt, was wir machen – das ist doch ein Jackpot! Die Löwen haben auch unseren Italian Spritz mit Crodino verglichen. Das ist ein tolles Kompliment. Crodino kennt man seit Jahrzehnten, und sind quasi auch kleine Einzelportionen. Wir gehen diesen Weg weiter – nur ohne Flasche. Dass es am Ende keinen Deal gab, war für mich absolut in Ordnung.
Was ist seit dem Pitch passiert?
Super viel. In den letzten neun Monaten haben wir sechs Sorten auf den Markt gebracht. Die siebte kommt am 11. November – unsere limitierte Winter Edition zum 6. Jubiläum. Dazu haben wir eine Mixpackung gelauncht – für mich die kleinste alkoholfreie Minibar der Welt, wie ich sie nenne. Stell dir vor: Für fünf alkoholfreie Sorten in der Flasche gibst du bis zu 100 Euro aus. Und du brauchst Platz für fünf Flaschen im Kühlschrank. Bei uns bekommst du alles in einer Packung: 20 Drinks in fünf verschiedenen Sorten. Ist das nicht krass?! Das gibt es nirgendwo! Heute machen wir über 100.000 Euro Umsatz im Monat. Im August waren es über 130.000 Euro – mit positivem Ergebnis. Für 2026 peilen wir über 1,2 Millionen Euro Umsatz an. 2027 starten wir in den Lebensmitteleinzelhandel, erste Anfragen liegen auch schon vor. Und wir wollen auf insgesamt zwölf Sorten wachsen.
Bildmaterial: RTL

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RTL / Bernd-Michael Maurer 





