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Christian Rach: „Beim Pitch hoffe ich auf den Hoppla-Effekt!“

23. Juli 2020/in Events, FIC Pitch, Pitch 1/von Mathias Jäger

Wenn am 28. Juli unser Online-Pitch Premiere feiert, stehen naturgemäß die sechs teilnehmenden Startups im Mittelpunkt. Dabei hat auch die hochkarätige Fachjury die volle Aufmerksamkeit verdient. Ihr prominentestes Mitglied ist zweifellos der Fernsehkoch und Kochbuchautor Christian Rach. Im Interview verrät er uns, was ihn an Food-Startups begeistert, welche Tipps er für sie hat und was er von einem guten Pitch erwartet.

Hallo Christian, vielen Dank, dass du dir die Zeit für ein Interview mit uns nimmst! Was verbindet dich mit Startups?

„Startup“ ist ja eigentlich nichts anderes als ein moderner Begriff für etwas, das es schon ganz lange gibt, nämlich innovative Ideen und die Lust am Gründen. Das sind Themen, mit denen ich mich seit 35 Jahren beschäftige. Mit dieser Erfahrung stehe ich gern neuen Gründerinnen und Gründern mit Rat und Tat zur Seite, ohne den Anspruch zu haben, alles besser zu wissen.

Welche Food-Startups hast du bereits begleitet und unterstützt?

Im Laufe der Jahre haben mich viele Startups mit ihren Ideen und Produkten begeistert, aber ich kann hier zwei nennen, die direkt mit dem Food Innovation Camp in Verbindung stehen. Beide habe ich als Juror für den FIC 2019 Food Award kennengelernt. Der Hauptpreis ging damals an das Bratpulver PAUDAR. Das hat mich so überzeugt, dass ich mich auch für die Werbekampagne zur Verfügung gestellt und bei der Produktentwicklung mitgeholfen habe. Ähnliches gilt für die Algensalate von Nordic Oceanfruit, die einen Sonderpreis erhielten. Die beiden Gründer konnten mithilfe von Profiköchen ihre Rezepturen noch einmal deutlich verbessern. Startups müssen ihre Produkte stets weiterentwickeln und den Produktionsbedingungen bei größeren Mengen anpassen, ohne das die ursprüngliche Besonderheit verloren geht. Zu beiden Startups besteht übrigens nach wie vor Kontakt.

Welche Voraussetzungen sollte ein Food-Startup erfüllen, um sich am Markt durchsetzen zu können?

Am Anfang muss eine klare Idee stehen. Ich muss eine konkrete Vorstellung haben von meinem Produkt und der Produktgruppe. Dabei darf ich nicht nur persönliche Vorlieben berücksichtigen, sondern sollte den ganzen Markt im Blick haben. Wie bei allen Gründungen sollte ich Antworten auf die klassischen W-Fragen haben: Was kann ich? Was kann ich nicht? Was will ich? Wo will ich das machen? Mit wem will ich das machen? Dabei sollte ich immer in Lösungen denken, nicht in Problemen.

Ich muss allerdings nicht von Beginn an Antworten auf alle Fragen haben. Zunächst steht das Produkt im Vordergrund. Gibt es dafür überhaupt einen Markt und lässt es sich in guter Qualität zu einem konkurrenzfähigen Preis herstellen? Manche Bereiche leiden jetzt schon an einem Überangebot, Erfrischungsgetränke zum Beispiel. Da ist es besonders schwer, eine Nische zu finden und sich dort zu behaupten. Marketing ist da die halbe Miete und gutes Storytelling gefragt. Eine packende, überzeugende Geschichte zu einem Produkt kann den Unterschied machen.

In welchen Bereichen siehst du gute Erfolgsaussichten für Startups?

Startups sollten sich trauen, im großen Stil zu denken und große Themen anzugehen. Sie sollten bestehende Normen angreifen und infrage stellen, ob unsere Ernährungsgewohnheiten so bleiben müssen, wie sie sind. Ein schönes Beispiel ist das dänische Startup ISH Spirits, dass ihr kürzlich im Interview vorgestellt habt. Dort hat man die Konvention hinterfragt, bei bestimmten Anlässen unbedingt Alkohol auszuschenken, und alkoholfreie Alternativen zu Spirituosen entwickelt. Das Prinzip lässt sich auch auf andere Nahrungsmittel übertragen, etwa Fleisch, Zucker oder weißes Mehl.

Ich vergleiche das gern mit dem Thema Mobilität. Wir alle wissen, dass der Automobilverkehr, wie wir ihn heute kennen, nicht das Modell für die Zukunft sein kann. Gleichzeitig können aber auch nicht alle auf das Fahrrad umsteigen. Wir müssen Menschen berücksichtigen, die auf dem Land leben, etwas transportieren wollen oder körperlich beeinträchtigt sind. Auf den Food-Sektor übertragen heißt das: Wenn wir wirklich etwas verändern wollen, dürfen wir nicht nur den Trendsetter aus dem Szeneviertel der Großstadt ansprechen. Wir müssen Produkte entwickeln, die die Essgewohnheiten der breiten Masse berücksichtigen und ihnen eine Alternative anbieten. Hier eröffnen sich großartige Chancen für Startups.

Wie kann ich mich mit meinem Food-Startups vor Nachahmern schützen?

Trends und damit Nachahmer wird es immer geben. Beispielsweise haben vor einigen Jahren überall Burgerrestaurants eröffnet. Ketten wie McDonald’s haben darauf mit neuen Angeboten reagiert. Dann waren eine Zeit lang Foodtrucks populär, jetzt sind es Poke-Bowls. Meist ebben solche Trends nach ein paar Jahren wieder ab. Dann kann ich entweder mit Glück in meiner Nische überleben, oder ich habe die schon erwähnte breite Masse erreicht und bin auf einen Trend nicht mehr angewiesen.

Grundsätzlich besteht die Gefahr, sich nach einem tollen Wurf zurückzulehnen und den Erfolg zu genießen. Stattdessen sollte man dann schon an der nächsten Idee arbeiten, die nächste Innovation entwickeln, damit schützt man sich auch vor Nachahmern und kurzlebigen Trends. Startups haben wegen ihrer flachen Hierarchien und kurzen Entscheidungswege da einen Vorteil gegenüber Konzernen. Bei erfolgreichen Startups sehe ich allerdings manchmal die Gefahr, dass dort Strukturen wie in großen Unternehmen entstehen und sich der CEO zu sehr in den Vordergrund spielt.

Was erwartest du von unserem ersten Online-Pitch und was macht einen guten Pitch für dich aus?

Zunächst einmal finde ich es toll, dass der Pitch in dieser Form stattfindet und ihr Startups eine Chance bietet sich zu präsentieren. Das Wichtigste ist natürlich die Qualität der Produkte, die ich ja vorab schon probieren konnte. Beim Pitch selbst kommt es dann auf die Präsentation an und wie überzeugend die ausfällt. Gutes Storytelling spielt da eine Rolle, und im Idealfall kommt der „Hoppla-Effekt“ hinzu, irgendetwas an dem Produkt, das außergewöhnlich ist und mich wirklich überrascht. Ich bin auf jeden Fall schon sehr gespannt!

Vielen Dank für das Interview!

Beitragsbild: Christian Rach bei der Jurysitzung für den FIC 2019 FOOD AWARD

Schlagworte: Christian Rach, FIC Pitch, Nordic Oceanfuit, PAUDAR
https://foodinnovationcamp.de/wp-content/uploads/2020/07/FIC-19_Jury21-1.jpg 562 1000 Mathias Jäger https://foodinnovationcamp.de/wp-content/uploads/2020/09/FIC20_logo-1.png Mathias Jäger2020-07-23 12:04:012020-07-23 12:24:25Christian Rach: „Beim Pitch hoffe ich auf den Hoppla-Effekt!“
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